Architektengehalt: Was verdienen Planer in der Schweiz?

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Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat gemeinsam mit seinen Partnerverbänden die Lohnerhebung 2015 durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen erneut den Trend der Lohnerhebung von 2013. Nach wie vor sind Frauen weniger gut bezahlt und in den Führungsfunktionen der Planungsbranche stark unterrepräsentiert.

Der SIA (Schweizerischer Ingenieurs und Architektenverein) hat im Oktober 2015 in Kooperation mit Verbänden der Architektur- und Ingenieurdisziplinen die Lohnerhebung erneut durchgeführt. Diese findet im jährlichen Wechsel mit der Erhebung betrieblicher Kennzahlen statt. An der Lohnerhebung haben nicht nur Architekten, Bauingenieuren, Kultur- und Vermessungsingenieuren, sondern auch Gebäudetechnikingenieure, Landschaftsarchitekten, Raumplaner und Umweltfachleute teilgenommen. Neben den Daten, die schon seit den 1970er Jahren in der „Gemeinkostenerhebung“ nachgefragt wurden, ermöglicht die Erhebung seit ihrer Neuauflage als Onlinetool zusätzlich die separate Erfassung von Frauen- und Männerlöhnen sowie der Einstiegs- und Praktikantenlöhne.

Planereinkommen: Tendenz steigend

Insgesamt nahmen an der aktuellen Erhebung 555 Unternehmen teil – darunter 241 Architekten, 130 Bauingenieure und 59 Kultur- und Vermessungsingenieure. Gebäudetechnikingenieure, Landschaftsarchitekten, Raumplaner und Umweltfachleute waren mit 12-43 Büros vertreten. Insgesamt gingen 10355 Löhne in die Auswertung ein – das sind mehr als noch bei der letzten Ergebung im Jahre 2013. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Auswertung: Der durchschnittliche Jahresgesamtlohn nahm von CHF 98’830 im Jahr 2013 auf heute CHF 100’018 zu. Unter Berücksichtigung der Teuerung von -0.5% entspricht dies einer Reallohnerhöhung von 1.7%. Die Steigerung fiel allerdings geringer aus, als von den Berufsverbänden erhofft.

Die wichtigsten Ergebnisse der SIA-Lohnerhebung 2015

  1. Durchschnittliche Löhne nach Berufsgruppen:
    Die niedrigsten Gesamtlöhne werden bei Landschaftsarchitekten verzeichnet. Bei dieser Berufsgruppe liegt der Durchschnitt bei CHF 85’090. Die höchsten Löhne dagegen, verzeichnen Raumplaner mit CHF 111’079.
    Architekten bekommen durchschnittlich CHF 96’127 und liegen damit hinter den Bauingenieuren und Gebäudetechnikern, die CHF 104’038 bzw. CHF 101’737 verzeichnen. Kultur- und Vermessungsingenieuren haben durchschnittlich CHF 97’821 auf dem Konto.
  2. Unterschiedliche Löhne bei Männern und Frauen:
    Bei der Ermittlung der Löhne nach Geschlecht wurde deutlich, dass Frauen in fast allen Fachrichtungen tiefere durchschnittliche Löhne erzielen als ihre männlichen Kollegen. Eine Detailanalyse allerdings zeigt, dass die Einstiegslöhne meistens identisch sind. Diese Tatsache lässt auf eine positive Tendenz hoffen.
  3. Einstiegslöhne
    Die durchschnittlichen Einstiegslöhne für Architekten, Ingenieure, Qualifizierte Fachmänner etc. reichen von rund CHF 66’500 bei den Architekten (2013: CHF 65‘700) bis rund CHF 82’500 bei den Bauingenieuren (2013: rund CHF 80‘000).
  4. Praktikantenlöhne
    Die Praktikantenlöhne bei den Architekten betragen rund CHF 28’000 (2013: CHF 30‘000), bei den Bauingenieuren rund CHF 39’000 (2013: rund CHF 30’000).

Weniger Frauen auf Spitzenpositionen

Auch wenn sich die noch immer deutlichen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern bei genauer Betrachtung der Details (Altersstufe, Bürogröße) etwas relativieren, so zeigt die Erhebung die verschwindend geringe Anzahl von Frauen in Spitzenpositionen deutlich auf. Derzeit sind Frauen in den Planungsdisziplinen nur mit 20 (Architekten) bis 25 % (Umweltfachleuten) auf der Projektleiterebene vertreten. Bei den Bauingenieuren (5,8 %) und insbesondere den Gebäudetechnikingenieuren (3,3 %) fällt dieser Anteil noch weitaus geringer aus. Besonders klein ist jedoch der Anteil von Frauen unter den Projektleitern von Großprojekten sowie unter den Fachexperten: Dieser beläuft sich auf 12,9 % bei den Landschaftsarchitekten und 0% bei den Bauingenieuren.

Nach einhelliger Meinung der Verbände vergibt sich die Branche damit leichtfertig ein sehr großes Fachkräftepotenzial. Deshalb wurden Aktivitäten in die Wege geleitet, um einen Bewusstseinswandel und eine aktive Frauenförderung zu forcieren. Zum Beispiel mit dem Projekt eSIA – “der fortschrittliche Berufsverband“. Dabei geht es konkret um faktische Chancengleichheit, geschlechtsneutrale Löhne und flexible Jobmodelle.

Der SIA

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein SIA ist der maßgebende Berufsverband für qualifizierte Fachleute der Bereiche Bau, Technik und Umwelt. Mit seinen sechzehntausend Mitgliedern aus dem Ingenieur- und Architekturbereich bildet der SIA ein kompetentes, interdisziplinäres Netzwerk mit dem zentralen Anspruch, den Lebensraum Schweiz zukunftsfähig und qualitativ hochwertig zu gestalten.

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