Architektufotografie – so lichten Sie Ihre Bauwerke ab!

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Die fotografische Darstellung der eigenen Gebäude – das ist für jedes Architektur-, fachplaner- und Ingenieurbüro von großer Bedeutung. Die Architekturfotografie ist unverzichtbar für die Präsentation auf der eigenen Website – und damit für PR und Marketing. Ob Sie die Fotos selbst machen oder vom Profi schießen lassen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Das kommt ganz auf Ihren Anspruch oder Ihr eigenes Können an. Hier geben wir Ihnen einen schnellen Überblick, worauf es ankommt und auf was Sie achten müssen, wenn Sie selbst fotografieren. Außerdem stellen wir Ihnen zwei bekannte Architekturfotografen vor, von denen Sie sich inspirieren lassen können.

Architekturfotografie planen

Um gute Fotografien von Ihren Bauwerken zu erhalten, müssen Sie sich im ersten Schritt überlegen, für was Sie diese verwenden wollen. Für eine Baudokumentation, eine Unternehmensbroschüre oder sogar für eine Reportage in einem Magazin oder ein Artikel in der Fachpresse? Benötigen Sie Bilder für einen Wettbewerb? Kennen Sie den Verwendungszweck, können Sie auch genauer definieren, was auf dem Bild zu sehen sein soll. Zuerst einmal muss man überlegt, welcher wesentliche Teil des Gebäudes in den Fokus gerückt werden soll. Dies ist nicht nur eine Frage der Sichtweise oder des Standpunkts des Fotografen. Die Entscheidung für einen Bildausschnitt wird geleitet vom bewussten Weglassen unwichtiger Details bzw. dem Fokussieren auf das wesentliche Gestaltungselement. Daher muss der Fotograf die Gestaltungsabsicht des Architekten verstehen. So wie bei einem Portrait, muss er in der Lage sein die „Schokoladenseite“ des Gebäudes hervorzuheben. Außerdem müssen Sie sich darüber im klaren sein, dass Architekturfotografie auch immer ein Zeitdokument ist. Sie unterstreicht den Zeitgeist zum Zeitpunkt der Aufnahme. Was ist noch auf dem Bild zu sehen? Ein neuer Sportwagen? Oder benötigt es Menschen auf dem Bild, um den Maßstab sichtbar zu machen? Soll die Natur und die Landschaft mit in das Bild einbezogen werden? Der Ort und die Atmosphäre können in die Architekturfotografie mit einbezogen werden. Neben einer Totalperspektive sollten auch konstruktive Details, die zum stimmigen Gesamtkonzept gehören, abgelichtet werden. Sie sagen viel über ein Gebäude aus.

Die Praxis: Darauf müssen Sie achten, wenn Sie selbst fotografieren

Für Architekturfotografie benötigen Sie ein gewisses Equipment. Ein weitgehend verzeichnungsfrei arbeitendes Weitwinkelobjektiv oder ein Shift-Objektiv sind notwendig. Ein Objektiv mit längerer Brennweite im Telebereich benötigen Sie für in der Ferne liegende Details oder Ausschnitte. Weitwinkelaufnahmen wirken sehr dynamisch und betonen das Hauptmotiv im Vordergrund gegenüber dem Hintergrund. Teleaufnahmen hingegen strahlen durch ihre perspektivische Verdichtung mehr Ruhe und Ordnung aus. Sie geleichen die Größenverhältnisse innerhalb des Bildes einander an.

Auch bei der Bildgestaltung gibt es einige Dinge zu beachten:

  1. Achten Sie darauf, dass die senkrechten Linien im Gebäude parallel zur Sensorebene verlaufen. Bei den meisten Kameras besitzt man die Möglichkeit, Gitternetze einzublenden, an denen man sich bei der Ausrichtung orientieren kann.
  2. Verwenden Sie ein Stativ mit möglichst festem Stand. So können Sie auch bei Dämmerlicht mit kleiner Blende eine hohe Tiefenschärfe erreichen.
  3. Wählen Sie bei Weitwinkelaufnahmen einen erhöhten Standort, z. B. ein Fenster im 1. Stock des gegenüberliegenden Gebäudes. Denn fotografiert man von einem ebenerdigen Standpunkt aus, muss man die Kamera oft kippen, um auch hohe Gebäude vollständig auf das Bild zu bekommen. Das führt zu den sogenannten „stürzenden Linien“. Sie bewirken, dass der Betrachter den Eindruck erhält, dass die Gebäude nach hinten umkippen. Achten Sie bei Weitwinkelaufnahmen auch darauf, dass sie eine starke Betonung des Vordergrundes mit sich bringen und beziehen sie diesen in die Bildkomposition mit ein.
  4. Frontal einfallendes Licht, lässt die Gebäude flach erscheinen, seitlich Streiflicht verhilft zu einer dreidimensionalen Bildwirkung. Diffuses Licht bei bewölktem Himmel verhindert Schlagschatten.
  5. Mit Hilfe eines Polfilters lassen sich z. B. störende Reflexe auf Fensterscheiben vermeiden oder die Farbe der Dachziegel intensivieren.
  6. Lassen Sie sich viel Zeit bei der Auswahl Ihres Motivs. Gibt es einen speziellen Blickwinkel der besonders interessant ist? Versuchen Sie zwei Seiten des Gebäudes auf das Bild zu bekommen. So entsteht Tiefe im Bild. Oder gehen Sie einmal ganz nah an die Fassade heran und kippen Sie die Kamera nach oben. Machen Sie sich auf die Suche nach spannenden Details oder spielen Sie mit den Schatten.

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State oft the Art: Lassen Sie sich von bekannten Architekturfotografen inspirieren

Es gab und gibt viele großartige Fotografen, deren Architekturbilder uns immer wieder in ihren Bann ziehen. Wir stellen Ihnen zwei davon vor: Julius Shulma (1910-2009) und Ken Schluchtmann (*1970)

Julius Shulma war ein amerikanischer Fotograf, der durch seine Architekturfotografien der Nachkriegszeit berühmt wurde. Shulma fotografierte meist im Mittel- oder Hochformat und zeigen Gebäude von z. B. Frank Lloyd Wright, Frank O. Gehry oder Pierre Koenig. Wie kein anderer dokumentierte er die moderne Architektur des 20. Jahrhunderts in den USA und schuf damit Ikonen des American way of life. Der Taschen Verlag veröffentlichte im Jahr 2000 mit dem Buch „Modernism Rediscovered“ vergessene Meisterwerke der Architektur aus den privaten Archiven des Fotografen. Es werden Wohn- und Gewerbebauten gezeigt, die lange keine Aufmerksamkeit mehr erfahren haben.

Ken Schluchtmann absolvierte eine Ausbildung zum Fotodesigner am Lette-Verein Berlin.
Seine Arbeiten wurden bereits zweimal mit dem Architectural Photography Award ausgezeichnet. Bewusst sucht der Fotograf nach außergewöhnlichen Blickwinkeln – seine Bilder sind von einer besonderen Atmosphäre geprägt. Im Hatje Cantz Verlag erschien 2014 der Band „Architektur und Landschaft in Norwegen“ mit Fotografie von Ken Schluchtmann.

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