Kostensicherheit schaffen und Aufwand reduzieren: AVA- und BIM-Programme im Überblick

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Wer mit seinem Bauprojekt ein Debakel wie beim Berliner Flughafen oder der Hamburger Elbphilharmonie vermeiden will, braucht AVA und BIM. Diese zwei Akronyme stehen für maximale Kontrolle bei Bauvorhaben. Während AVA-Software (Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung) schon seit längerem bei Architekten und Bauingenieuren im Einsatz ist, versprechen die auf der BIM-Methode (Building Information Modeling) basierenden Software-Schnittstellen seit neuestem weitere Aufwandsreduktion und zusätzliche Sicherheit in der Kostenplanung. BIM ermöglicht eine Erweiterung des Funktionsumfangs von AVA: Trägt man alle Daten für Ausschreibung, Kosten und Termine in das 3D-Modell ein, werden Leistungen und Mengen für die Ausschreibung, die Baukosten sowie die Termine automatisch ermittelt.

AVA: Kostenkontrolle und -transparenz werden wichtiger

Dem Geist der Zeit und den Anforderungen der Kunden entsprechend rücken Managementfunktionen immer stärker in den Fokus von AVA-Software. Insbesondere Terminsicherheit, Kostenplanung, Kostenkontrolle und Kostentransparenz werden immer wichtiger. Spätestens seit BER, Stuttgart 21 und der Elbphilharmonie sind die Ansprüche besonders an öffentliche Bauvorhaben hinsichtlich Kostenkontrolle und -transparenz sowie Terminsicherheit eindeutig gestiegen.

Diese Funktionsumfänge bietet AVA-Software schon seit geraumer Zeit. Dass trotzdem Fehler unterlaufen und damit starke Abweichungen vom ursprünglichen Plan, liegt u. a. daran, dass eine direkte Anbindung an das 3D-CAD-Modell bisher nicht oder nur eingeschränkt möglich war. Hier schafft BIM Abhilfe.

BIM: Bessere Datenqualität und Synchronisation

Mit einer Anbindung an BIM gelingt es, Gebäudedaten direkt aus dem CAD-Programm zu importieren. BIM bietet generell den Vorteil, dass Planungsänderungen direkt im CAD-modellierten Gebäude implementiert werden und somit allen Beteiligten sofort zur Verfügung stehen. Bei der herkömmlichen CAD-Planung müssen Änderungen z. B. durch eine abweichende Mengenermittlung erst in den Architektenzeichnungen eingetragen werden, die einzelnen Gewerke können erst dann einen Abgleich mit ihren Fachzeichnungen durchführen.

Die Vorteile von BIM im Überblick:

  • Verbesserte Datenqualität, da alle Daten auf eine gemeinsame Basis zurückgehen und ständig synchronisiert werden
  • Unmittelbare und kontinuierliche Verfügbarkeit aller aktuellen und relevanten Daten für alle Beteiligten
  • Verbesserter Informationsaustausch zwischen Planungsbeteiligten
  • Kontinuierliche Datenaufbereitung während des gesamten Lebenszyklus’ eines Gebäudes

Gängige AVA- und BIM-Software im Überblick

BuildUp von Bauer-Software

BuildUp von Bauer-Software kann BIM-Gebäudemodelle mit allen zugeordneten Daten per IFC-Schnittstelle zur Massenermittlung einlesen und darstellen. IFC steht für „Industry Foundation Classes“ und damit für ein Datenaustauschformat, mit dem BIM-Gebäudedaten aller auf Bau spezialisierten CAD-Hersteller verlustfrei übertragen werden können.

Im BIM-Modell selektierte Bauteile werden direkt in die BuildUp-Massenermittlung beziehungsweise in das Raumbuch übernommen. Markiert man ein Objekt im CAD-Modell, kann man die angezeigten Mengen und Eigenschaften einfach per Drag-and-drop in die Positionen des Leistungsverzeichnisses übertragen. Zusätzlich kann man Bauteile nach beliebigen Kriterien zusammenfassen. Dadurch werden die Zuordnung der Gebäudeelemente und die Aktualisierung der Daten nach einer Modelländerung wesentlich einfacher.

Bechmann AVA / Bechmann BIM

Die Software Bechmann AVA von Bechmann kommt in ihrer 2015er-Ausführung mit einigen Neuerungen wie einem verbesserten Nachtragsmanagement sowie einem sicheren Datenaustausch via GAEB XML 3.1 und 3.2. Zudem bietet das Programm einen freien Texteditor.

Mit dem AVA-Programm lässt sich auch die Bechmann BIM-Software kombinieren. Damit lässt sich laut Hersteller der Zeitaufwand für Mengenermittlungen auf 20 Prozent reduzieren – also um 80 Prozent. Möglich wird das, indem der Planer den Bauteilen parametrische Kostenelemente zuweist. Die VOB-Richtlinien werden dabei natürlich berücksichtigt.

Weitere Vorteile von Bechmann BIM sind:

  • Suchfunktionen für alle Bauteile
  • Anzeige kostenintensiver Bauteile
  • Kostenvergleiche sind möglich

AVA.relax

Die achte Generation der AVA-Software AVA.relax will ihrem Namen noch mehr Ehre machen als die Vorgängerversionen. Hier die Highlights des Programms:

  • SQL-Serverschnittstelle, die auch mit der kostenloses SQL Express-Version von Microsoft betrieben werden kann
  • Integration von Heinze BauOffice, STLB-Bau und anderer Baudatenbanken
  • Vollständige Integration verschiedener CAD- und Visualisierungsprodukte wie ARCHICAD oder ArCon
  • Integration von BIM und BKI (Baukosteninformationszentrum)
  • GAEB-Richtlinie XML 3.2
  • Bauzeitenplanung
  • Bautagebuch inkl. mobiler App

BIM2AVA von gw-software

BIM2AVA ist ein neues Modul von G&W Software Entwicklung. Es funktioniert in Verbindung mit der AVA-Software California.pro und soll aus dem BIM-Gebäudemodell ein „kaufmännisches Modell“ machen. Will heißen: Über das Leistungsverzeichnis der AVA-Software kann man die entsprechenden Bauteile direkt im 3D-Modell lokalisieren und damit alle Kosten und Termine. Aus den AVA-Daten wird automatisch ein visuelles Raum- und Gebäudebuch erzeugt und Massen, Mengen und Leistungen werden ermittelt, die sich natürlich bei Änderungen aktualisieren.

Ziel des Software-Tandems ist es laut Hersteller, dem Planer eine schnelle und präzise Kostenermittlung zu ermöglichen sowie die Auswirkungen von Änderungen schneller zu sehen.

LV/AVA von Hottgenroth Software

LV/AVA von Hottgenroth ist eine Software mit allen gängigen AVA-Funktionen. Als besonderes Merkmal kann das Programm BIM-Gebäudedaten aus dem hauseigenen CAD-Programm HottCAD übernehmen. Ebenfalls möglich ist eine Datenübernahme aus der ebenfalls im gleichen Hause entwickelten Software „Energieberater“. Damit eignet sich das Programm besonders für energetische Gebäudesanierungen. Weitere Anwendungsbereiche sind:

  • Bau
  • TGA-Planung
  • Garten- und Landschaftsbau

Nevaris Bausoftware

Nevaris (ehemals Nemetschek Auer) bietet ein ganzes Software-Bundle an, das sich konsequent am digitalen Gebäudemodelling orientiert. Die Basis bildet Nevaris AVA, welche via Cloud nutzbar ist. Zudem bietet Nevaris das Zahlungsmodell „Software as a Service“ an, d. h. man zahlt nur, wenn man die Software auch nutzt.

Mit Nevaris iceBIM können von Hartmann Technologies entwickelte BIM-5D-Lösungen in Nevaris AVA integriert werden. Der Hersteller möchte damit 3D-Modellierung, AVA, Kalkulation, Abrechnung und Controlling in einer Software verbinden.

Orca AVA

Orca AVA von Orca Software schreibt sich besonders das Kostenmanagement auf die Fahnen. Für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung sei sie die meistgenutzte Software, so der Hersteller.

Auch in Orca AVA lassen sich BIM-Daten per IFC-Schnittstelle übernehmen. CAD-Bauteile kann man bedarfsgerecht zuordnen sowie Massen und Mengen auswerten. Ein Beispiel: In den Raumlisten lassen sich gleiche Bauteile zusammenfassen und lokalisieren, so etwa alle Türen im Erdgeschoss. Übernehmen kann man sowohl einzelne Bauteile als auch Raumlisten oder Kategorien. Auch lassen sich bei der Übernahme der Daten einige Einstellungen vornehmen, sodass IFC-Daten ganz oder nur teilweise übergeben werden.

Avanti AVA

3D ist im Kommen, dennoch bestimmen 2D-Pläne das Tagesgeschäft von Architekten. Deshalb enthält Avanti BIM von Softtech Grava, ein grafisches Aufmaß, mit dem man 2D-CAD-Zeichnungen in allen üblichen Formaten oder digitalisierte Papierpläne erzeugen kann.

Weitere Pluspunkte sind laut Hersteller:

  • BIM-Import aus beliebigen CAD-Systemen per IFC (nur Avanti-BIM-pro-Version)
  • Schnelle Erstellung eines Leistungsverzeichnisses
  • Angebotscheck: Überprüfung der Bieterdaten

Datenübergabe über viele Schnittstellen: PDF, Excel, RTF, GAEB, DA11

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