Renaissance der Flachdächer

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Die wiederentdeckte Liebe zum Flachdach

In der Mode kommt alles wieder, in der Architektur manchmal auch. Während Flachdächer Ende des letzten Jahrtausends einen schlechten Ruf weg hatten, werden sie nun wieder zum Liebling der Bauherrn. Ganze Neubaugebiete werden nur noch mit Flachdächern geplant. Vorteile hat diese Dachform einige. Die Probleme, die das Flachdach früher unbeliebt gemacht haben, lassen sich verhindern, wenn ein Fachmann die Planung und Umsetzung übernimmt.

Vorteile von Flachdächern

Es kommt nicht von Ungefähr, dass Flachdächer wieder in sind.

  • Ein Flachdach ist kostengünstiger als ein Satteldach.
  • Das flache Dach ist deutlich leichter als ein steiles Dach, verlangt der Unterkonstruktion also weniger ab.
  • Architektonisch bietet das Flachdach mehr Möglichkeiten, als die bisher gängigen Dachformen – zumindest, wenn es um die Nutzung jenseits der einfachen Dachnutzung geht.
  • Begrünte Flachdächer gehören zum Lebensgefühl der urbanen Mittelschicht, die zwar in der Stadt leben will, aber so viel Natur wie möglich um sich haben möchte.

Natürlich kann der Wunsch nach einem Flachdach nicht immer erfüllt werden. Denn die Bebauungspläne der Kommunen geben strenge Richtlinien vor, wie gebaut werden darf. Doch weil immer mehr Häuslebauer ihr Traumhaus mit einem Flachdach planen, passen sich viele Gemeinden an und lassen diese Bauform zu. Oft auch deshalb, weil so mehr Wohnfläche bei gleichem Bodenverbrauch als bei einem Haus mit Satteldach gewonnen werden kann. Gerade mit Blick auf die drohende Zersiedelung in manchen Regionen ergeben sich so neue Möglichkeiten, Baugebiete intensiver zu nutzen.

Was macht Flachdächer so beliebt?

  • Weil durch ein Flachdach keine Schrägen im oberen Stock entstehen, kann das obere Stockwerk perfekt genutzt werden.
  • Flachdächer können begrünt werden und das sieht nicht nur schick aus, sondern nutzt der Umwelt und der Energiebilanz des Gebäudes.
  • Grundstücke sind gerade im Speckgürtel von Großstädten extrem teuer. Baugrundstücke sind dementsprechend oft klein geplant – natürlich auch, um möglichst viele Häuser in dem jeweiligen Neubaugebiet unterzubringen. Wer also keinen Platz für einen ansprechenden Garten hat, kann sich auf dem Flachdach eine Terrasse anlegen lassen.
  • Oberlichter können in das Flachdach eingebaut werden, das gibt dem darunter liegenden Zimmer einen ganz besonderen Charme.
  • Wer das Flachdach nicht als Terrasse nutzen möchte, kann die Fläche für sich arbeiten lassen. Denn eine Solaranlage ist dort schnell und einfach installiert.

 

Ein Flachdach braucht Pflege

Natürlich muss bei allen Dachformen regelmäßig überprüft werden, ob die Konstruktion noch in Ordnung ist. Beim Flachdach sind aber teilweise andere Punkte zu beachten, als bei Standarddächern.

  • Weil Regenwasser von einem Flachdach nicht so einfach ablaufen kann wie von einem Satteldach, muss dafür gesorgt sein, dass der Abfluss geregelt ist. Dieser darf auch nicht durch Laub oder kleine Äste (bei begrünten Flachdächern durchaus möglich) verstopft werden.
  • Starker Schneefall kann bei Dächern, die keine Neigung haben, zum Problem werden. In Regionen, in denen außergewöhnlich viel Schnee fällt, muss dies bereits bei der Planung bedacht werden. Denn die Last, die auf dem Dach ruht, wenn es stark und langanhaltend schneit, ist sehr groß. Nicht umsonst sieht man in Wintern immer wieder THW und Feuerwehr, wie sie Flachdächer von Supermärkten und kommunalen Einrichtungen vom Schnee befreien. Die Besitzer eines Hauses mit Flachdach müssen sich deshalb darüber bewusst sein, dass sie im Zweifelsfall im Winter auf ihrem Dach Schnee schippen müssen. Mit Blick auf das Alter kann dies die Entscheidung gegen das Flachdach mit sich bringen.
  • Wenn das Flachdach begrünt werden soll, dann muss die oberste Schicht wurzelundurchlässig sein. Wer einmal einen Bürgersteig gesehen hat, der von Baumwurzeln förmlich aufgesprengt worden ist, der weiß, wie wichtig dieser Schutz für das Dach ist.

Egal für welche Dachform sich der Bauherr am Ende entscheidet, wichtig ist, dass es eine gute Planung und einen intensiven Austausch zwischen Architekt, Bauherrn und Dachdecker gibt. So kann das Optimum für den zukünftigen Hausbesitzer erreicht werden.

Dichtung ist das A und O

Wer an missglückte Flachdächer denkt, dem kommen meist die Bungalows der 50er und 60er Jahre in den Sinn. Damals galt ein Flachdach als modern, doch oft haperte es an der Umsetzung, so dass nach wenigen Jahren Wasser eindrang und das Gebäude nachhaltig beschädigte.

Heutzutage sind solche Probleme leicht zu verhindern. Wichtig ist, dass das Dach perfekt abgedichtet ist und es Abläufe für das Regenwasser gibt. Denn wenn das Wasser auf dem Dach steht, wird es für das Material gefährlich – leicht kann es dann undicht werden.

Um ein Flachdach abzudichten, werden meist Bitumen-Schweißbahnen oder Kunststoffdachbahnen eingesetzt. PVC, PIB und Kautschuk gelten als Materialien der ersten Wahl. Natürlich ist es auch möglich, das Dach mit Edelstahl zu decken. Dass Bitumen nicht unbedingt Pluspunkte in Sachen Umweltschutz bekommen, überrascht nicht. Das muss zwar nicht bedeuten, dass sich Bauherr und Architekt für ein anderes Material entscheiden, im Bewusstsein sollte der Umweltaspekt aber trotzdem sein.

Egal, welches Material genutzt wird, ist es wichtig, dass es UV-beständig und auch nach Jahrzehnten wetterfest ist.

Informationen über die historische Entstehungsgeschichte des Flachdachs finden Sie bei www.baunetzwissen.de  

 

Besser sanieren als reparieren

Wenn es bei einem Altbau Probleme mit einem Flachdach gibt, dann ist es oft besser, das gesamte Dach zu sanieren, als es zu reparieren. Denn wenn das Dach Probleme mit der Dichtigkeit hat, dann kann man fast sicher davon ausgehen, dass nach einer Reparatur das gleiche Problem an einer anderen Stelle wieder auftauchen wird.

Abdichten und dämmen

Wer ein altes Flachdach saniert, der muss die Abdichtung und die Entwässerung erneuern, sollte aber auch daran denken, das Dach auf den aktuellen Stand zu bringen. Selbstverständlich gehört dazu eine moderne Dämmung. Dieser Punkt ist gerade in den 60er und 70er Jahren vernachlässigt worden.

Wichtig ist natürlich, dass bei der Sanierung und Dämmung die aktuellen Energiesparverordnungen eingehalten werden.

Wie bei den meisten Dämmarbeiten an Gebäuden ist es in Deutschland möglich, dafür eine staatliche Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu bekommen. Für den Auftraggeber vergrößert dies den finanziellen Spielraum.

Außerdem sollte bei der Sanierung eines Flachdachs überlegt werden, ob seine Nutzung neu ausgerichtet werden soll. So kann es auch nachträglich begrünt oder als Dachterrasse umgebaut werden. Und selbstverständlich ist es eine Überlegung wert, ob eine Solaranlage auf das Dach installiert werden soll.

Weitere interessante Informationen zum Thema Flachdach gibt es auf www.hausbaumagazin.at.

 

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