Streitfall nachträgliche Wärmedämmung

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Dämmen, aber richtig

Viele künftige Hauseigentümer entscheiden sich auf der Suche nach einer passenden Immobilie für ein gebrauchtes Haus. Während sie bei Zuschnitt und Größe oft Kompromisse eingehen, wollen sie in Zusammenarbeit mit dem Architekten in Sachen Wärmedämmung das Optimum herausholen. Wer ein Gebäude nachträglich dämmt, der muss einiges beachten.

Ein Vakuum hat die geringste Wärmeleitfähigkeit. Aber auch ein Hohlraum hinter der Fassade, der gasgefüllt ist, hat eine schlechte Wärmeleitfähigkeit. EPS-Platten arbeiten mit diesem Prinzip. Denn in den Platten sind kleinste Kunststoffblasen eingearbeitet, die mit Gas gefüllt sind.

Planung ist unerlässlich

Einfach drauf los dämmen – das machen Hausbesitzer, die in Eigenregie renovieren, immer wieder – ist gefährlich. Gibt es Wärmebrücken innerhalb der Dämmung, sieht sich der Eigentümer nach einigen Jahren mit Rissen und Schimmel konfrontiert. Deren Beseitigung ist teuer und aufwändig. Es ist deshalb ratsam, Planung und Ausführung Experten zu überlassen.

Es sind auch ausschließlich die Profis, die errechnen können, ob eine Dämmung wirtschaftlich sinnvoll ist.

Mit Platten geht’s schnell

Dämmplatten – meist bestehen sie aus ESP, also Styropor  –  an die Außenseite eines Hauses anzubringen ist kein Hexenwerk, das übernehmen die Hausbesitzer oft selbst. Und auch wenn es tatsächlich einfach erscheint, die Platten an der Wand mit Dübeln oder Kleber zu fixieren, so bringen handwerkliche Fehler gravierende Folgen mit sich: Im schlimmsten Fall entsteht durch die falsche Montage Schimmel, im besten Fall kann das System nicht seine volle Dämmwirkung entfalten.

Vorteile der Platten:

  • Die Platten sind leicht und schnell zu befestigen.
  • Laien könne die Arbeit nach genauer Anleitung selbst übernehmen.
  • Aus ESP-Platten entweichen während der Nutzung keine giftigen Dämpfe oder andere gesundheitsschädliche Stoffe. Wichtig: Das gilt nur für Platten, die nicht mit dem Brandschutzmittel HBCD belastet sind. Dieser Stoff ist allerdings seit August 2015 verboten. Zu beachten ist, dass Platten, die bei einem Hausbrand ebenfalls in Brand geraten, durchaus giftige Stoffe freisetzen können. (LINK ZU Nachteile der Platten)
  • Auch wenn für die Herstellung der Dämmung verhältnismäßig viel Energie aufgewandt werden muss, werden die Platten über ihre volle Nutzungsdauer hin eingesetzt, sparen sie mehr Energie ein, als ihre Produktion verbraucht hat.

nachträgliche Wärmedämmung

Nachteile der Platten

  • Immer wieder gibt es Meldungen über Hausbrände, bei denen die Feuerwehr mit einer brennenden Fassade zu kämpfen hat. Zwar sind die Platten durch chemische Zusätze schwer entflammbar, aber eben nicht unbrennbar. Geraten die Platten durch einen Hausbrand in Brand, breitet sich das Feuer schnell über die komplette Fassade aus. Dann werden auch Giftstoffe freigesetzt. Besonders dann, wenn in dem Dämmmaterial noch das mittlerweile verbotene Brandschutzmittel HBCD eingearbeitet ist.
  • Die Dämmplatten entsprechen nicht dem Prinzip der nachhaltigen Nutzung. Denn das Polystyrol, das für die Herstellung der Platten genutzt wird, ist ein Erdölprodukt. Dementsprechend ist dieser Stoff endlich. Umweltexperten bringen an dieser Stelle oft ein theoretisches Rechenbeispiel an: Sparen die Dämmplatten während ihrer Nutzung mehr Energie ein, als für ihre Herstellung nötig war, dann ist der Verbrauch von Fossilen Brennstoffen für die Produktion der Platten gerechtfertigt. Immer häufiger drängen aber auch Dämmstoffe auf den Markt, die aus dem Recyclingkreislauf stammen. Deren Energiebilanz sieht dementsprechend besser aus. Ein Beispiel für solches Dämmmaterial ist Zellulose.
  • Die Haltbarkeit der Platten ist begrenzt. Sie sind weder UV-beständig, noch ist abschließend geklärt, wie lange die Platten genutzt werden können. UV-Strahlung kann die Platten vergilben oder spröde machen. Dadurch können Risse entstehen, die wiederrum die Dämmleistung negativ beeinflussen.
  • Da die Platten aus Erdöl produziert werden, ist ihre Entsorgung nicht problemlos möglich – sie müssen gesondert entsorgt werden. Zuvor muss das Material aber erst einmal von der Bausubstanz gelöst werden können. Dies ist oft nicht einfach, weil die Dämmplatten als Verbundsystem aufgebracht worden sind. Ein solcher Verbund lässt sich nicht einfach so wieder lösen.

Wo können ESP-Platten eingesetzt werden?

  • Klassisches Einsatzgebiet der Dämmplatten sind Außenwände. Dort werden sie als Verbundsystem angebracht.
  • Aber auch zur Kerndämmung können sie genutzt werden.
  • Auch für die Dämmung von Bauteilen, die erdberührend sind, können sie eingesetzt werden. Das ist meist bei Kellern oder Bodenplatten der Fall.

Wo ESP-Platten ungeeignet sind?

  • Zur Dämmung von Zwischensparren eignen sich die ESP-Platten nicht. Denn im Gegensatz zu den Platten aus Polystyrol bewegt sich Holz. Risse können so aufkommen, was natürlich die Dämmleistung stark beeinflusst.

ESP-Platten leisten zwar sehr gute Dämmarbeit, für den Schallschutz eignen sie sich allerdings nicht. Deshalb können sie nicht bei Haustrennwänden – wie zum Beispiel Doppelhaushälften – eingesetzt werden.

Verfügt das zu dämmende Haus über eine außergewöhnliche, erhaltenswerte Fassade, sollte nach Alternativen gesucht werden. Eine Innendämmung könnte die Lösung des Problems sein.

Weitere Informationen zum Arbeiten mit ESP-Dämmplatten bietet dieser Ratgeber.

 

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