Chäserrugg – das Gipfelgebäude von Herzog & De Meuron

0

Ende Juni 2015 wurde das neue Gipfelgebäude auf dem Chäserrugg feierlich eröffnet. Der Kanton St. Gallen und das Toggenburg sind jetzt um ein architektonisches Kleinod reicher. Das weltbekannte Basler Architekturbüro Herzog & De Meuron hat die neue Bergstation realisiert.

Der Ort

Toggenburg ist eine Region im Schweizer Kanton St. Gallen und von Zürich und der Bodensee-Agglomeration als Naherholungsgebiet gut erreichbar. Im Wesentlichen ist sie durch zwei Täler geprägt. Das charakteristische Wahrzeichen ist jedoch die Gebirgskette mit den 7 Churfirsten. Die östlichste Erhebung ist der über 2000 Meter hohe Chäserrugg. Das Gipfelplateau bildet einen starken Kontrast zu den steil abfallenden Hängen. Genau an der Kante des Plateaus wurde die neue Seilbahnstation gebaut, die so den Übergang zwischen Felswand und flacher Topografie markiert.

Das Projekt

Bis zum Beginn des Projektes erwarteten Wanderer eine funktionale Seilbahnstation und ein schmuckloses Berggasthaus auf dem Gipfel des Chäserrugg. Seit langem haftete dem Toggenburg das Image an, etwas verschlafen zu sein und die Investition in moderne Infrastruktur für den Tourismus verpasst zu haben. Vor fünf Jahren jedoch kamen die Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg-Bergbahnen Mélanie Eppenberger und der Basler Architekt Pierre de Meuron ins Gespräch.

Ende Juni 2015 wurde das in nur einem Jahr errichtete neue Gipfelgebäude feierlich eröffnet. Der Berggast, der jetzt die Gondel hinauf auf den Chäserrugg nimmt, wird von einem ausladenden Flügeldach empfangen, das sich über die Bergstation breitet. Es überspannt auch einen Querbau, der sich in Richtung Süden orientiert und in dem ein Restaurant untergebracht ist. Genau 43 Meter lang und 53 Meter breit ist das Restaurant und aus hellem Holz – Fichte und Esche – und viel Glas gebaut. Die Chäserrugg Stube und der Chäserrugg Saal bilden zusammen einen großzügig angelegten Raum. Ein atemberaubender Blick eröffnet sich von hier aus auf das Alpenpanorama. An die Fensterfront schließt sich eine großzügig geplante Terrasse an, die zum Apéro einlädt. Im ersten Stock des Gebäudes befindet sich außerdem das Alpzimmer. Der Neubau nimmt lokale Bautraditionen auf und ergänzt diese aber um zeitgenössische Elemente, wie zum Beispiel das ausgreifende Dach, das die beiden Gebäudeteile Bergstation und Restaurant verbindet. Die Baustoffe, aus dem der Neubau gebaut ist, stammen überwiegend aus der Region. Um 3600 Tonnen Baumaterial vom Tal auf den Berg zu bringen, waren etwa 1200 Seilbahn-Fahrten nötig. Die Bauarbeiten waren etwas früher fertig als geplant und die projektierten Kosten von sieben Millionen wurden dabei leicht unterschritten. Das neue Gipfelgebäude soll jetzt Leben auf den Chäserrugg bringen: Da das Restaurant als flexibel bespielbarer Raum konzipiert ist, können dort auch Konzerte und Kulturveranstaltungen stattfinden. Neben dem reinen Naturgenuss können Besucher jetzt auch andere Angebote wahrnehmen und den Ausflug auf den Chäserrugg unabhängig vom Wetter planen. Um auf den Chäserrugg zu gelangen, muss man zuerst 440 Höhenmeter von Unterwasser nach Iltios mit der Standseilbahn überwinden. Von dort geht es mit der Luftseilbahn Illtios-Chäserrugg weiter zum Gipfelgebäude.

Die Architekten Herzog & De Meuron: Ein Kurzprofil

«Ich möchte hier bauen.“ – davon war Pierre de Meuron nach einer Reise in den Toggenburg überzeugt. Gemeinsam mit Jacques Herzog gründete er 1978 das Architekturbüro Herzog & De Meuron in Basel. Kennengelernt hatten sich die beiden an der ETH Zürich, wo sie nicht nur studierten, sondern auch als Assistenten tätig waren. Neben dem Hauptsitz in Basel hat Herzog & De Meuron heute noch fünf weitere Niederlassungen in London, Hamburg, Madrid, New York und Hong Kong. International bekannt wurde Herzog & De Meuron durch Projekte wie die Tate Modern in London, die Allianz Arena in München und das Nationalstadion in Peking im Rahmen der Olympischen Spiele 2008. Mit über 400 Mitarbeitern realisiert Herzog & De Maron eine große Bandbreite an Projekten – von Privathäusern bis hin zu Megaprojekten.

Antworten