Das Großraumbüro: Top oder Flop?

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Architekten, Ingenieure oder Fachplaner arbeiten heute fast alle in Großraumbüros. Dabei sind die Bürokonzepte unterschiedlich – in der Schweiz und in Deutschland sind Open Spaces oder rotierende Arbeitsplätze aber noch selten. Viel mehr werden die Schreibtische zusammengerückt und man ist der Meinung: Je offener ein Büro desto besser funktioniert die Kommunikation. Wo kommuniziert wird, leidet aber oft die Konzentration. Wie muss ein Büro beschaffen sein, in dem beides – sowohl Kommunikation als auch Konzentration – möglich ist? Sich damit zu beschäftigen lohnt sich, denn die Arbeitsumgebung hat nachhaltig Einfluss auf die Stimmung und Produktivität der Mitarbeiter.

Vorteile- und Nachteile des Großraumbüros kennen

Der Trend zum Großraumbüro hält weiterhin an, obwohl es in den letzten Jahren einen immer schlechteren Ruf genießt. Im Großraumbüro ist es laut, man kann sich schlecht konzentrieren und es fehlt an Privatsphäre – so heißt es. Tatsächlich kann die Arbeit in einem Großraumbüro die Produktivität der Mitarbeiter senken. Dabei frisst die sinkende Produktivität einen großen Teil der Kostensenkung durch die effizientere Nutzung der Bürofläche auf. Doch der Weg zurück zum Einzelbüro ist für die meisten Unternehmen keine Option, denn das Großraumbüro hat auch entscheidende Vorteile. Die Herausforderung besteht darin, die Vorteile zu nutzen und die Nachteile durch gezielte Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Diese wichtigen Fakten über das Großraumbüro sollten Sie deshalb kennen:

  • Positiv: Effizienter Workflow durch bessere Kommunikation

    Die offene Raumstruktur ermöglicht kurze Wege und eine Face-to-Face-Kommunikation. Im Großraumbüro hat man nicht nur die eigenen Aufgaben im Blick, sondern erfährt auch, woran die Kollegen gerade arbeitet.

  • Positiv: Inspiration und Know-how-Transfer

    In der sozialen Auseinandersetzung entstehen Ideen, die von allen aufgegriffen und weiterentwickelt werden können. Vielleicht entdeckt man sogar ein ungeahntes Talent eines Kollegen oder Mitarbeiters? Außerdem können Kollegen in einem Großraumbüro nebenbei von den Kompetenzen der anderen profitieren. Wie verhandle ich am Telefon? Wo finde ich doch gleich die Funktion bei Vector Works?

  • Negativ: Privatsphäre und Verlust des persönlichen Einflussbereichs

    In einem Großraumbüro haben der Chef und die Kollegen immer einen guten Blick auf den eigenen Bildschirm. Auch persönliche oder vertrauliche Telefonate sind am Arbeitsplatz nicht möglich. Man fühlt sich wie auf dem Präsentierteller. Die Folge: Ein unangenehmes Gefühl macht sich breit. Außerdem können die Mitarbeiter Umgebungsfaktoren im Großraumbüro meistens nicht individuell regulieren. Wenn man auf die Beleuchtung oder die Temperatur keinen Einfluss nehmen kann, wirkt sich das negativ auf die Zufriedenheit aus.

  • Negativ: Akustische Belastung und Ablenkung

    Bereits ab einer Geräuschkulisse von rund 40 dB fühlen sich Menschen in ihrer Arbeitseffizienz gestört. Durch das Telefonieren der Kollegen oder Besprechungen am Nebentisch wird man oft aus dem konzentrierten Arbeiten herausgerissen. Circa 8 Minuten benötigt man im Durchschnitt, um nach einer Unterbrechung wieder in seine gerade ausgeführte Tätigkeit zurückzufinden.


Der Großraumbüro-Knigge: Auf diese Dinge sollten Sie Kollegen und Mitarbeiter hinweisen

Ein Kollege telefoniert lautstark, der andere isst und eine Gruppe tauscht sich stundenlang am Arbeitsplatz über ein Projekt aus. Die Konzentration ist dahin, die Arbeit bleibt liegen und die Unzufriedenheit steigt. Mit ein paar einfachen Regeln für das „Zusammenleben“ gelingt das gemeinsame Arbeiten im Großraumbüro trotzdem:

  • Stimme beim Telefonieren senken: Ein tiefer, etwas gedämpfter Tonfall lässt sich leichter ausblenden als ein hoher und lauter Ton.
  • Unterbrechungen vermeiden: Treffen Sie klare Absprachen im Team über Arbeitsphasen, in denen nicht gestört werden darf. Dazu zählt wenn möglich auch eine Regelung über feste Telefon- und Gesprächszeiten, z. B. mit Kunden.
  • Essen am Arbeitsplatz nicht erwünscht: Wurstbrötchen, Döner oder die Asiatasse – hier sollte der Geschäftsführer eine strikte Grenze ziehen und geruchsintensives Essen im Großraumbüro verbieten. Essen gehört immer in die Küche, wenn sie eine verschließbare Tür hat.
  • Richtig lüften: Am besten ein paar Mal am Tag kurz und kräftig durchlüften, statt stundenlang das Fenster aufzulassen. Wer schnell friert, kann während des Lüftens den Raum verlassen.
  • Smartphone auf lautlos stellen: Das ist nicht nur angenehmer für die Kollegen, sondern auch für einen selbst.
  • Privates Telefonieren kurz halten: Eine schnelle Verabredung oder Mitteilung am Telefon mit einem „Freu mich auf dich“ oder „Hab die Theaterkarten besorgt“ ist kein Problem. Alles Weitere sollte draußen besprochen werden.
  • Distanz wahren: Die für uns angenehme Gesprächsdistanz liegt zwischen 50 Zentimetern und einem Meter. Diese sollte im Arbeitsumfeld eingehalten werden – selbst wenn am Tablet oder Smartphone etwas gezeigt wird.

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So richten Sie ein Großraumbüro ein

Die Gestaltung von Großraumbüros hat in der Schweiz und in Deutschland eine lange Tradition. Das deutsche Unternehmen „Quickborner Team“ entwickelte Ende der 50er Jahre eine Alternative zum amerikanischen Export des Großraumbüros. Mit dem Konzept der „Bürolandschaft“ wollte das „Quickborner Team“ die Büroarbeit nach neuen Kriterien organisieren und durch eine nicht hierarchische Organisation des Raums zur Humanisierung der Büroarbeit beitragen. Heute leistet besonders das schweizer Unternehmen Vitra Pionierarbeit bei der Planung und Gestaltung von Open Office-Konzepten. Einen guten Überblick über die aktuellen Entwicklungen bietet außerdem die im zweijährlichen Turnus stattfindende internationale Leitmesse für moderne Arbeitswelten ORGATEC . Sie zeigt alles, was zum perfekten Zusammenspiel von Arbeitsumgebung, Arbeitsprozessen und Arbeitskultur beiträgt.

Ziel einer Großraumbürogestaltung ist es, Kommunikation und Konzentration, Teamarbeit und individuelles Arbeiten, aber auch Vertraulichkeit und Privatsphäre zu ermöglichen. Das Eingehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter und das Reduzieren der Umgebungsbelastungen an den Arbeitsplätzen ist jedoch die größte Herausforderung. Ist Ihr Großraumbüro arbeitsfreundlich oder ist die Gestaltung noch optimierbar? Selbst mit einem geringen Budget lässt sich mit einigen Maßnahmen viel erreichen:

  • Arbeitsplätze nach Funktionsbereichen vergeben: Setzen Sie Mitarbeiter zusammen, die ähnliche Tätigkeiten ausführen. Ein Mitarbeiter der viel telefoniert, sollte nicht neben dem Kollegen sitzen, der vor allem Texte schreibt.
  • Akustik beachten: Lärm im Großraumbüro ist einer der Hauptfaktoren für eine geringere Produktivität und Unzufriedenheit der Mitarbeiter. Schallschluckende Gardinen, Pflanzen und mobile, schallabsorbierende Wand- und Deckenelemente sind ein guter Anfang. Optimal ist es, für die komplette Raumausstattung und insbesondere für die Büroeinrichtung jeweils die schallabsorbierende Variante auszuwählen.
  • Beleuchtung: Je weiter ein Arbeitsplatz von den Fenstern entfernt liegt umso wichtiger wird das Thema Beleuchtung. Die vorgeschriebene Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz liegt bis auf wenige Ausnahmen bei 500 Lux . Neben der Allgemeinbeleuchtung ist also eine individuelle Lichtquelle nötig.
  • Verschiedene Raumeinheiten schaffen: Arbeitszellen, z. B. des Schweizer Möbel-Konzerns Vitra, ermöglichen konzentriertes Arbeiten jenseits des Trubels. Private, vertrauliche oder einfach nur sehr lange Telefongespräche führt man am besten in einer Telefonzelle des finnischen Design-Büros Studio Anttie. Eine zentraler Ort im Büro, an dem sich Mitarbeiter für Teamwork oder auf einen Kaffeeklatsch treffen können, sorgt für eine bessere Stimmung im Büro. In Kommunikationsecken können sich Projektteams für einen längeren Austausch treffen, ohne die Kollegen zu stören.

 

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