Denkmalpflege in der Schweiz – eine architektonisch interessante Reise durch Helvetia

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Unternehmen Sie eine Reise durch die Schweiz, die ganz im Zeichen des Denkmalschutzes steht! Der erste Halt ist Mollis, eine kleine Gemeinde im schweizerischen Glarus, hier gibt es das denkmalgeschützte Zwicky-Haus aus dem 17. Jahrhundert zu besichtigen. Weiter geht es nach Zürich in die mittelalterliche St. Petrikirche, die in den 1970er Jahren aufwendig restauriert wurde. Entdecken Sie außerdem preisgekrönte moderne Architektur, die bereits zwei Jahre nach Ihrer Eröffnung unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Erster Halt: Zwicky-Haus in Mollis

Das im 17. Jahrhundert von Landesbaumeister Kaspar Schmid errichtete Zwicky-Haus steht unter kantonalem und eidgenössischem Denkmalschutz. Es ist neben dem Bahnhofsgebäude Mollis-Näfels, dem Gasthaus Löwen, dem Herrenhaus Haltli und der historischen reformierten Kirche das beeindruckendste Bauwerk des Örtchens Mollis im Glarner Unterland. Seit 2011 hat es einen neuen Privatbesitzer, der bei der Renovation Rücksicht auf denkmalpflegerische Aspekte nimmt. Im weißgetünchten und wappengeschmückten Patrizierhaus mit vielen Fenstern, verzierten Fensterläden und dem seitlichen Treppchen zum Eingang liegt das wahrscheinlich wichtigste Vermächtnis von Mollis: Anne Göldi. Die Dienstmagd lebte und arbeitete für mehrere Jahre bei Familie Zwicky. Von ihrem späteren Dienstherren und Liebhaber Johann Jakob Tschudi wurde die Frau der Hexerei und des Mordes beschuldigt und schließlich 1782 als eine der letzten „Hexen“ hingerichtet. Der schon damals als Justizirrtum gehandelte Fall erregte Aufsehen in ganz Europa.

Zweiter Halt: St. Peterskirche in Zürich

Die am 14. November 1706 feierlich eingeweihte St. Peterskirche erhebt sich auf einem Hügel in der Züricher Altstadt an einem baumbestandenen kleinen Platz. Besucher finden hier nicht nur einen Ort der Ruhe und Besinnlichkeit, sondern auch eine sehenswerte Umgebung mit bestens erhaltenen Bauwerken. Sie lässt erahnen, wie sehr Heimatschutz und Denkmalpflege dazu beitragen, die historischen Kulturgüter zu bewahren. St. Peter formt zusammen mit zwei weiteren Altstadtkirchen die Silhouette der Schweizer Großstadt. Die heutige Kirche hat insgesamt vier Vorgängerbauten:

  • vorromanisch im 9. Jahrhundert,
  • frühromanisch im 10. Jahrhundert,
  • spätromanisch etwa 1230 und
  • spätgotisch um 1450.

Im Zuge gestalterischer Veränderungen wurden die Altäre im St. Peter zerstört. Das neue Kirchenschiff – ein barocker Emporensaal – entstand 1705. Die Grundmauern aus der vorromanischen Zeit unter dem Chor sind heute noch sichtbar und auch der Turm und Chor aus der Spätromanik sind erhalten geblieben. Verantwortlich für die Gestaltung des Innenraums mit Stuckaturen waren der Zürcher Salomon Bürkli und der aus Bayern stammende Franz Schmuzer. 1970 begann eine umfangreiche, fünf Jahre dauernde, Restauration einschließlich der Wiederherstellung der ursprünglichen Fassadenmalerei. Ein Highlight der Kirche bildet die Turmuhr mit Europas größtem Ziffernblatt – Durchmesser: 8,64 Meter.

Tipp: Genießen Sie eine vorab gebuchte Turmführung: Mit jeder Stufe der knarrenden Holztreppe bewegen Sie sich ein Stück mehr zurück ins Mittelalter. Auf dem Weg begegnet Ihnen unter anderem im ersten Geschoss das aus dem 13. Jahrhundert im Original erhaltene romanische Kreuzkrippengewölbe.

Dritter Halt: Therme Vals

Die Therme der historischen Hotel- und Kuranlage in Vals galt lange Zeit als Sorgenkind – bis der international bekannte Architekt Peter Zumthor aus Basel einen 1986 ausgeschriebenen Wettbewerb zum Neubau gewann und daraufhin ein architektonisches Meisterwerk kreierte. Beeindruckend und rekordverdächtig: Die im Dezember 1996 eröffnete Therme Vals wurde nur zwei Jahre später unter den kantonalen Denkmalschutz in Graubünden gestellt. Dass Zumthor früher selbst als Denkmalpfleger im Kanton Graubünden arbeitete, ist in diesem Zusammenhang interessant. Der besondere Reiz seines Thermenentwurfs liegt in der Orientierung an den natürlichen Gegebenheiten, wie Geologie und Topografie des näheren Umfelds. Zumthors Leitbild lautete „Felsblöcke stehen im Wasser“. Auf moderne Accessoires wie Düsen, Röhren oder Rutschen verzichtete der Architekt bewusst. Er wollte kein Erlebnis- und Spaßbad, sondern vielmehr ein „Erfahrungsbad“ kreieren, wie er selbst sagte. Die Konstruktion besteht aus 15 Blöcken mit Betonkernen und Verbundmauerwerken aus Valser Gneis, einem speziellen Gestein, das dem gesamten Gebäude sein charakteristisches Aussehen verleiht. Abgerundet wird die Therme durch ein überwiegend mit Gras begrüntes Dach und 16 eingelassene Fenster aus blauem Glas.

Faszination Denkmalpflege – alles auf einem Portal

Sie interessieren sich beruflich oder privat für Denkmalpflege in der Schweiz? Das Portal „Denkmalpflege Schweiz“ versorgt Sie mit wissenswerten Informationen zum Thema. Neben aktuellen Projekt- und Eventvorstellungen lernen Sie architektonisch bedeutsame Bauwerke und historische Plätze kennen, die für die Denkmalpflege relevant sind. Darüber hinaus gibt die Plattform spannende Tipps für Ausflüge und Exkursionen.

 

Über die akute Gefährdung historischer Bauwerke in der Schweiz

Verstärkte Sparbemühungen und der Nutzungsdruck auf historische Bausubstanz aus Gründen der geforderten Verdichtung bedingen in den letzten Jahren einen dramatischen Rückgang der Denkmalpflege. Dies gilt für Europa im Allgemeinen und für die Schweiz im Besonderen. Vielen architektonisch und geschichtlich bedeutsamen Bauten droht die Rückstufung von „schützenswert“ auf „erhaltenswert“ – und von dort ist der Weg nicht mehr weit bis zu „zerstör- und ersetzbar“. Eigentümer historischer Bauwerke müssen eigenverantwortlich Sorge tragen, indem sie die Unterschutzstellung ihrer Kulturgüter beim Regierungsrat beantragen. Positiv-Beispiele für den Erfolg solcher Maßnahmen sind die Sanierung des größten, von Charles Addor erbauten schweizerischen Wohnkomplexes in Le Lignon sowie das auf schonende Art und Weise geflickte Hochhaus La Champagne in Biel. Historische Architektur prägt Stadtbilder. Schon allein deshalb gilt es sie zu bewahren – und kennenzulernen!

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