Einzigartige Gebäude mit Dächern und Fassaden aus Schiefer gestalten

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Der Baustoff Schiefer ist ein Geschenk der Natur. Über Jahrhunderte entstanden eine Vielzahl von Techniken für das Gestalten von Dächern und Fassaden. Entdecken Sie aktuelle Bauwerke, denen der Schiefer zu besonderem Glanz verhilft und lernen Sie Hersteller und Händler kennen.

Schiefer: Eine kurze Entstehungsgeschichte

Schiefer ist ein Gestein, das vor circa 345 bis 400 Millionen Jahren – in der erdgeschichtlichen Zeit des Devon – aus feinem Tonschlamm entstanden ist. Der Tonschlamm lagerte sich auf dem Meeresgrund ab und verfestigte sich dort zu Tonstein. Tektonische Bewegungen schließlich sind für den Aufstieg des verfestigten Meeresbodens zu Gebirgen verantwortlich. Bei der Gebirgsbildung wurden die Tonsteinschichten durch seitlichen Druck aufgefaltet. Dieser geologische Vorgang ist für die Ausrichtung der Glimmerlagen verantwortlich, auf denen die Spaltbarkeit des Schiefers basiert. Schiefer hat je nach Lagerstätte unterschiedliche mineralische Zusammensetzungen und weist unterschiedliche Farbigkeit auf. Er unterscheidet sich auch hinsichtlich von Fremdeinschlüssen, Körnigkeit, Kristallisation, Anzahl der Glimmerlagen und weiteren Eigenschaften. In vielen Ländern der Erde kommt Schiefer vor. Vor allem in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Portugal wird er im Übertage- und Untertagebau abgebaut. Schieferbergbau in Deutschland gibt es an der Mosel, im Sauerland, im Hunsrück und in Thüringen.

architektenwelt_Schieferbergwerk

Hat Tradition: Schiefer als Baustoff

Schon seit über 2000 Jahren wird Schiefer als Baustoff eingesetzt. Zahlreiche Burgen, Kirchen und Schlösser aus dem Mittelalter sind mit dem Material eingedeckt. Damals war Schiefer teuer und nicht allen Bevölkerungsschichten zugänglich. Erst moderne Schieferbergwerke und eine bessere Produktionsverfahren machen den Werkstoff heute günstiger.
Schiefer ist sehr witterungsbeständig und wird für das Decken von Dächern und zur Fassadenverkleidung verwendet. Von den verschiedenen Schieferarten eignet sich für die Dachdeckung der Tonschiefer. Damit lässt sich fast jede, auch eine komplexe und dreidimensional geformte Dachfläche decken. Das Besondere: Der Schiefer hinterlässt ein Muster auf dem Dach. Somit kommt dem Material nicht nur eine schützende, sondern auch eine optische Funktion zu. Es gibt über 30 unterschiedliche Deckarten, die sich über die Jahrhunderte entwickelt haben. Zu den bekanntesten zählen die Altdeutsche Deckung, die Schuppenschablonen- bzw. Bogenschnitt-Deckung und dekorative Deckungen wie zum Beispiel die Spitzwinkel, Fischschuppen- oder Bischofsmützen-Deckung. Für den heutigen Erfolg des Naturstoffs Schiefer ist vor allem die Rechteck-Deckung verantwortlich. Das moderne Format hat eine gerade Linienführung und schafft dabei eine geordnete Struktur. Die Deckungsart unterstützt einen sachlichen, klaren Baustil und ist besonders häufig an Fassaden zu sehen.
Schiefer kommt auch im Innenausbau zum Einsatz. Für Wand und Boden wird hauptsächlich Glimmerschiefer verwendet, der für einen seidigen Glanz an der Oberfläche bekannt ist.
Sogar Lichtschalter, wie zum Beispiel bei der Linie Berker R.1 werden mit Schiefer gestaltet. Das Design des Schalters, der aus einer kreisrunden Wippe mit einem Rahmen aus dem edlen Naturstoff besteht, stammt vom Architekten Werner Aisslinger.

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Schiefer für Dach und Fassade: 3 Gebäude, die auffallen

Baden-Württembergische Berufsakademie in Lörrach: Fassade mit Geschlaufter Deckung

Im Jahr 2008 erhielt die Berufsakademie in Lörrach zum bereits bestehenden Gebäudeensemble aus den 1960er Jahren weitere Neubauten. Die Stuttgarter Architekten Lederer + Ragnarsdóttir + Oei verkleideten die Fassaden weitestgehend mit Schiefer. Die Schieferdeckung beträgt 5mm Dicke. Die Deckart: eine waagerechte Deckung im Hochformat, die man auch als Geschlaufte Deckung bezeichnet.

Ferienhaus bei Utrecht: Grüner Schiefer als Rechteck-Doppeldeckung für Fassade und Dach

Das kleine, eingeschössige Ferienhaus mit Satteldach entstand 2014 nördlich von Utrecht. Holz, Schiefer und Metall sind die prägenden Materialen – die schmalen Stützen, Rahmen und Kanten verleihen der Konstruktion Leichtigkeit. Die grünlichen Schiefersteine auf dem Dach und an der Ostfassade stammen aus einem Bergwerk in Kanada. Sie wurden als Rechteck-Doppeldeckung verlegt. Das Haus ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Zecc Architekten und dem Designer Roel von Norel.

Spitzwinkel-Deckung für den Schornstein des Stadtspitals Triemli in Zürich

Die geschwungene Röhre des Schornsteins des Stadtspitals Triemli im Zürich besteht nicht aus Mauerwerk oder Beton, sondern ist als Stahlkonstruktion mit einer Deckung aus Schiefer errichtet. Das Bauwerk gehört zu einem Campus mit elf Kliniken, fünf Instituten, einem Bettenhaus und drei Personalhochhäusern und wurde von Aeschlimann Hasler Partner Architekten geplant. Auf der Außenhaut des Schornsteins sind insgesamt 35.000 Schieferplatten fixiert. Die dekorative Deckung mit Spitzwinkeln wurde symmetrisch befestigt – nur bei den Spitzwinkelschablonen, die auf einer senkrechten Fuge liegen, wurden jeweils zwei Schrauben links oder rechts gesetzt.

Hersteller von Schiefer

Schieferprodukte für Dächer und Fassaden werden von verschiedenen Herstellern und Händlern angeboten:

Rathscheck Schiefer

Die Schiefer von Rathscheck (http://www.rathscheck.de/) kommen aus dem Moselgebiet und aus Spanien. Die Firma bietet drei Produkte an: Moselschiefer® eignet sich für die Altdeutsche- und Schuppen-Deckung sowie für die so genannte Wilde Deckung. Auch sind Sonderformate für denkmalgeschützte Gebäude erhältlich. Ein blaugrauer Schiefer wird unter dem Namen InterSIN® gehandelt, den es in vielen verschiedenen Decksteinformaten gibt. Er wird international im Unter- und Übertagebau gewonnen. Mit ColorSIN® bietet Rathscheck Farbschiefer in unterschiedlichen Tönen und Deckarten an. Mit selbst entwickelten Prüfmethoden und durch ständige Vor-Ort-Kontrolle der eigenen Produktionsprozesse im In- und Ausland sorgt Rathscheck für einen hohen Qualitätsstandard.
Übrigens: Rathscheck bietet neben verschiedenen Services auch eine „Schiefer-App“, die bei der Planung einer Dacheindeckung mit Schiefer die Arbeitsabläufe vor Ort erleichtert.

PRIMERO-Schiefer

PRIMERO-Schiefer (http://www.primero-schiefer.de/) ist ein hochwertiges Material in unterschiedlicher Struktur und Farbe, das sowohl bei privaten und öffentlichen Bauten, aber auch bei Baudenkmälern eingesetzt wird. Für Dach, Fassaden und Innenausbau sind unterschiedlichste Standardformate und Ergänzungszubehör verfügbar. Bei der Produktion von PRIMERO-Schiefer überwacht das Wermelskircher Unternehmen sämtliche Schritte – von der Gewinnung über die Bearbeitung bis hin zur Materialprüfung.

SWISSPEARL

Die Eternit AG entwickelt aus natürlichen Rohstoffen innovative und nachhaltige Produkte für die Gebäudehülle und den Innenbau. Der Swisspearl Dachschiefer wirkt mit einer Plattendicke von 5mm sehr filigran und ist in 15 universell einsetzbaren Plattenformaten verfügbar. Der Schiefer in 29 unterschiedlichen Farben kann bereits ab einer Dachneigung von 15 Grad befestigt werden. Außerdem steht eine große Auswahl an kleinformatigen Fassadenplatten mit unterschiedlich proportionierten Rechteckformen – bis hin zu filigranen Rundschindeln – mit einer Plattenstärke von 4mm zur Verfügung. Auch hier kann aus über 50 Farben mit unterschiedlichen Oberflächeneigenschaften ausgewählt werden.

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