Historische Hotels neu entdeckt: Von Mallorcas Festung bis zum Palast an der Algarve heute
von Redaktion Afrika architektenwelt.com Architektur Bauwerke Denkmalpflege Denkmalschutz Europa Fassade Garten hotelaktuell.ch Hotellerie Hotels Innenarchitektur Inspiration Kultur Lifestyle nachrichtenticker.ch News Reisen reiseziele.ch Schauplätze Städte Städtereisen Tipps Trips
Von ehemaligen Kanonenstellungen auf Mallorca bis zu aristokratischen Palästen in Portugal: Fünf aussergewöhnliche Hotels zeigen, wie historische Architektur zeitgemäss neu interpretiert wird.Manche Orte haben schon viel erlebt, bevor sie zum Hotel werden. Sie waren Schauplätze politischer Entscheidungen, Zentren des Handels oder dienten einst der Verteidigung ganzer Küstenabschnitte.
Heute verbinden sie ihre bewegte Vergangenheit mit zeitgemässem Design und modernem Komfort. Auf Mallorca werden ehemalige Kanonenstellungen zu privaten Suiten, in Málaga erwacht ein barocker Kaufmannspalast zu neuem Leben und in Marrakesch schreiben renommierte Designer die Geschichte einer hundertjährigen Hotelikone fort. Dabei bleibt die Architektur nicht blosse Kulisse, sondern wird selbst zum Teil des Erlebnisses.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Mallorca: Im Cap Rocat beherbergen ehemalige Kanonenstellungen Suiten mit privaten Pools.
- Málaga: Das Palacio Solecio wurde 2019 als Boutiquehotel eröffnet.
- Algarve: Das Palácio de Tavira verbindet einen historischen Palast mit einem neuen Gebäudeteil.
- Marrakesch: La Mamounia führt seine Geschichte als Palasthotel seit 1923 fort.
- Loiretal: Das Relais d’Amboise vereint Gebäude und Felsräume aus mehreren Jahrhunderten.
Cap Rocat, Mallorca: Wo einst Kanonen standen, liegen heute private Pools
Wo einst die Bucht von Palma verteidigt wurde, finden Gäste heute einen Rückzugsort. Ende des 19. Jahrhunderts zur Verteidigung der Bucht von Palma errichtet, wurde Cap Rocat vom mallorquinischen Architekten Antonio Obrador behutsam in ein Luxushotel verwandelt. Statt die militärische Vergangenheit zu kaschieren, machte er sie zum Kern des Gestaltungskonzepts: Ehemalige Kanonenstellungen beherbergen heute die spektakulären Sentinels-Suiten mit privaten Pools, alte Wehrgänge verbinden die verschiedenen Gebäudeteile und das Spa liegt zwölf Meter unter der Erde im Inneren der Festung. Die weitgehend erhaltene Sandsteinarchitektur fügt sich dabei nahezu unsichtbar in die Küstenlandschaft ein. Für den sensiblen Umgang mit dem denkmalgeschützten Bauwerk wurde das Projekt mit einem Europa-Nostra-Preis ausgezeichnet.
Palacio Solecio, Málaga: Vom Handelshaus zum Boutiquehotel
Im Herzen Málagas erinnert das Palacio Solecio an eine Zeit, als die andalusische Hafenstadt ein wichtiger Knotenpunkt des transatlantischen Handels war. 1789 liess Kaufmann Félix Solesio das Gebäude als Wohnsitz und Lager für Spielkarten errichten, die nach Amerika verschifft wurden. Nach jahrzehntelangem Leerstand verwandelte Architekt Antonio Obrador den Palast in ein Boutiquehotel, das 2019 eröffnete. Die barocke Fassade, schmiedeeiserne Balkone und historische Wandmalereien blieben erhalten. Im Innenhof mit seinen Arkaden klingt das maurisch-andalusische Architekturerbe der Stadt an. Mit seinem Innenhof, den Restaurants und der Dachterrasse ist das Palacio Solecio heute wieder Teil des gesellschaftlichen Lebens in Málagas Altstadt – ganz im Sinne seiner ursprünglichen Rolle als Ort des Handels und der Begegnung.
Palácio de Tavira, Algarve: Zwischen Adelspalast und maurischer Medina
Wo einst die portugiesische Aristokratie zu Empfängen und politischen Gesprächen zusammenkam, empfängt heute das Palácio de Tavira seine Gäste. Die ehemalige Residenz der Familie Tavares aus dem 18. und 19. Jahrhundert war über Generationen ein gesellschaftlicher Treffpunkt der Stadt. Das Lissabonner Architekturbüro Fragmentos verwandelte den historischen Palast in ein Boutiquehotel und bewahrte dabei die klassizistische Fassade, historische Keramikarbeiten und die originale Steintreppe. Einen spannenden Kontrast bildet der neu errichtete Gebäudeteil Medina, der an die maurische Vergangenheit der Algarve erinnert. Verwinkelte Gassen, kleine Innenhöfe und versteckte Terrassen greifen die Architektur nordafrikanischer Altstädte auf. Im Inneren setzt Designerin Isabel Câmara Pestana auf regionale Materialien, portugiesisches Handwerk und die warmen Farbtöne der Algarve. So erzählt das 2025 eröffnete Hotel nicht nur die Geschichte einer Adelsfamilie, sondern auch die einer Stadt zwischen unterschiedlichen Kulturen.
La Mamounia, Marrakesch: Die Kunst, eine Ikone neu zu erfinden
Winston Churchill kam zum Malen, Yves Saint Laurent fand hier Inspiration: Seit über einem Jahrhundert ist La Mamounia unzertrennbar mit der Geschichte Marrakeschs. Die Ursprünge des 1923 eröffneten Palasthotels reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, als Sultan Mohammed Ben Abdallah seinem Sohn Prinz Al Mamoun einen weitläufigen Garten als Hochzeitsgeschenk überliess. Generationen später steht das Haus für den Anspruch, historische Identität mit zeitgemässer Gestaltung zu verbinden. Bereits Jacques Garcia griff bei einer früheren Neugestaltung die Verbindung von marokkanischer Handwerkskunst und Art déco auf. Zum hundertjährigen Jubiläum führten Patrick Jouin und Sanjit Manku diesen Dialog weiter: Ein monumentaler, von traditionellem Berberschmuck inspirierter Kronleuchter prägt heute die Lobby, während der Salon d’Honneur mit historischen Gästebüchern, Zeichnungen und Erinnerungsstücken die Geschichte des Hauses als kultureller Treffpunkt bewahrt. Die jahrhundertealten Gärten bleiben dabei das unveränderte Herzstück des Hauses.
Relais d’Amboise, Loiretal: Eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte
Am Ufer der Loire, unmittelbar unterhalb des Château Royal d’Amboise, vereint das kürzlich eröffnete Relais d’Amboise Geschichte aus mehreren Jahrhunderten. Zum Ensemble gehören Teile des ehemaligen Minimenklosters aus der Renaissance ebenso wie die Maison du Duc, in der im 18. Jahrhundert der Herzog von Choiseul residierte. Statt die unterschiedlichen Baustile zu vereinheitlichen, greift das Pariser Studio Roque Intérieurs die jeweilige Geschichte der Gebäude auf. Kunstwerke, ausgewählte Bücher und historische Referenzen setzen individuelle Akzente. Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten Greniers de César, über 500 Jahre alte, in den Tuffstein gehauene Felsräume, die heute auch als Ausstellungsort für Kunst und Veranstaltungen dienen. Im Spa des Roches wird die charakteristische Felslandschaft des Loiretals ebenfalls Teil des Erlebnisses. Die Gärten mit ihren französischen Gartenanlagen und einem jahrhundertealten Zedernbaum verbinden die verschiedenen Gebäude zu einem Ensemble, in dem sich die Geschichte der Region entdecken lässt.
Quelle: w&p
Bildquelle: Bild 1, 2: Cap Rocat; Bild 3, 4: Palacio Solecio; Bild 5, 6: Palacio de Tavira; Bild 7,8: La Mamounia; Bild 9, 10: Relais d’Amboise / Maison Kalos
