Alles Alu, oder was?

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Schon lange sind Bauherren nicht mehr allein von Holz, Stein und Beton abhängig, wenn es darum geht, moderne Gebäude zu errichten. Die Bandbreite der Baustoffe, die genutzt werden können, wird immer breiter. Aluminium hat sich hier einen Namen gemacht und ist ein Metallbaustoff der Zukunft geworden.

Wer mit Aluminium arbeitet, der muss auch wissen, um  was für ein Baustoff es sich dabei handelt. In einem zweistufigen Herstellungsprozess aus Bauxiterz und Elektrolyse von Tonerde wird Aluminium hergestellt. Primäraluminium erreicht eine Reinheit von 99,5 bis 99,8 Prozent. Für den Einsatz im Bau ist eine weitere Raffinierung nicht nötig.

Die Eigenschaften des Aluminiums begeistern viele Architekten begeistern viele Architekten, doch völlig unumstritten ist es nicht, dafür ist für seine Herstellung zu viel Energie nötig.

Was für Aluminium spricht

Wer ein Gebäude baut, der muss sich mit den Kosten in einem vorgegebenen wirtschaftlichen Rahmen bewegen, darf die Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verlieren und natürlich: das Gebäude soll den architektonischen Ansprüchen an Komfort und Ästhetik genügen.

Aluminium kann durch seine vielfältigen Eigenschaften dazu beitragen, all diese Ziele zu erreichen – sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen.

Auch wenn für die Produktion des Baustoffs verhältnismäßig viel Energie nötig ist, so weist ein daraus gebautes Gebäude leicht eine gute Energiebilanz auf. Außerdem lässt sich das Material sehr gut recyceln und dadurch nutzbar für neue Projekte machen.

Im Vergleich zu Blei-, Kupfer- oder Zinkblechen hat Aluminium deutliche Vorteile, denn weder bei der Verarbeitung, noch in der alltäglichen Nutzung gibt es giftige Stoffe ab. Anders sieht dies bei der Herstellung aus (Link zu Kritik).

Aluminium ist langlebig. An sich zeichnet es sich schon durch ein große Anti-Witterungsstärke aus, durch eine Vorbehandlung der Oberfläche oder durch eine Beschichtung wird diese Widerstandskraft noch verbessert. Die Bauteile, die aus Aluminium gefertigt worden sind, sind also äußert langlebig und verursachen keine zusätzliche Arbeit. Denn wer an Konstruktionen aus Holz oder Eisen denkt, der weiß, dass diese regelmäßig neu lasiert oder gestrichen werden müssen, um sie vor dem Verfall zu bewahren.

Leichtgewicht

Ein klarer Vorteil von Aluminium ist sein geringes Gewicht. Nicht nur beim Transport wird so Energie eingespart, auch bei der Statik eines Hauses macht sich das Leichtgewicht positiv bemerkbar. Denn wenn ein Dach aus diesem Material konstruiert ist, dann spart das kräftig Gewicht ein: Beim Dach eines Einfamilienhauses können das schnell rund zwei Tonnen sen. Architekten gewinnen durch das leichte Baumaterial neue gestalterische Freiheiten. Fensterrahmen oder Vorhangfassaden können schmaler konstruiert werden, Dachstühle anders gedacht werden.

Für Fassaden- und Dacharbeiten bietet sich Aluminium an. Als Baustoff ist es sehr korrosionsbeständig. Aluminium ist durch seine hauchdünnen und gleichzeitig feste Oxidschicht korrosionsbeständig, UV-Strahlungs- und wetterfest

Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es bei Nachhaltiges Bauen.

Energetische Aspekte

Aluminium tut sich durch seine gute Fähigkeit der Wärmeleitung und Reflexionsvermögen hervor. Das Licht- und Energiemanagement profitiert davon. Belüftungsanlagen können durch Aluminium-Wärmetauscher energetisch optimiert werden. Diese Punkte tragen zur positiven Bilanz des Baustoffs bei.

Kritik

Aluminium ist nicht ganz unumstritten. So viele Vorteile es auch hat, in Sachen Umweltschutz hat es nicht immer den besten Ruf.

Bei der Herstellung von Aluminium ist ein hoher Energieeinsatz nötig. Vor allem die Elektrolyse (70 bis 80 Prozent PEI) verbraucht sehr viel Strom. Dieser Energieverbrauch beeinflusst die Umweltbilanz des Baustoffes negativ.
Wird allerdings Aluminium wiederverwertet, also recycelt, dann reduziert sich der Stromverbrauch deutlich. Aluminiumschrott kann gut wiederverwertet werden, doch ist es nötig, auf die Stoffreinheit zu achten. Mit der damit verbundenen Problematik beschäftigt sich die Nachhaltiges Bauen
Dort heißt es: „Zur Zeit kommen bereits über 85 Prozent des im Bauwesen anfallenden Aluminiumschrotts in den Verwertungskreislauf zurück. Aus dem Altmetall entsteht durch einfaches Einschmelzen Sekundäraluminium. Für die Aufbereitung von Sekundäraluminium sind nur zirka 10 Prozent der Primärenergie erforderlich.“
Doch weil es nur durch großen Aufwand möglich ist, unerwünschte Fremdstoffe aus dem Aluminiumschrott zu entfernen, stagniere die Recyclingquote seit Jahren bei etwas 30 Prozent. Sekundäraluminium, also recyceltes Aluminium, erreicht häufig selbst die vergleichsweise geringen Grenzwerte von Gussaluminium nicht. Deshalb ist es nötig, Primäraluminium beizumischen, was wieder die Energiequote deutlich nach oben bringt.

Häufig verzichten Hersteller gleich ganz darauf, Aluschrott zu nutzen und setzten komplett auf Primäraluminium. So könne die Grenzwerte einfach eingehalten werden.

Einen Lösungsansatz liefern die Autoren der Seite Nachhaltiges Bauen: „Durch konsequentes Vorsortieren von sortenreinem Aluschrott, geschlossene Wertstoffkreisläufe (‚closed-loop-recycling‘) und neue Trenntechnologien werden sich aber künftig höhere Qualitäten bei Sekundäraluminium erreichen lassen.“

Wer beim Bauen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz legt, der muss bei großen Fassaden- oder Dachflächen auch andere Werkstoffe im Blick behalten. Holz und Ziegel zum Beispiel haben bei der Bilanz der Gesamtherstellung dann meist eine bessere Quote.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass das Bauxit, welches zur Herstellung von Aluminium unerlässlich ist, ein endlicher Rohstoff ist. Schätzungen gehen davon aus, dass das weltweite Bauxitvorkommen für etwa weitere 200 Jahre zur Verfügung stehen wird – vorausgesetzt natürlich, dass der Verbrauch auf dem aktuellen Niveau verbleibt.

Bauxit wird hauptsächlich in Guinea, Jamaika, Brasilien und Australien abgebaut. Bei der Aufbereitung wird Natronlauge eingesetzt. Dadurch fällt eine große Menge an Rotschlamm an, der giftig ist und fachgerecht entsorgt werden muss.

Zertifizierung der Nachhaltigkeit

Architekten und Bauherrn, die einen ganzheitlichen Ansatz in Sachen Nachhaltigkeit anstreben, könne sich zum Beispiel vom freiwilligen Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) prüfen lassen. Das System arbeitet zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Der Gesamtverband der Aluminiumindustrie e.V. (GDA) ist Mitglieder der DGNB.

Ein vergleichbares, auf dem DGNB-Gütesiegel basierendes Zertifizierungssystem gibt es auch in der Schweiz. Dort übernimmt die Schweizer Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (SGNI) die Zertifizierung des DGNB-Gütesiegels.

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