Auf leisen Sohlen im Holzhaus

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In der Schweiz wird seit rund zehn Jahren mehrgeschossig mit Holz gebaut. Der Schallschutz stellt dabei besondere Ansprüche an die ausführenden Architekten.

Früher wurden vorwiegend Einfamilienhäuser aus Holz gebaut, auf Trittgeräusche legte dabei kaum jemand besonderen Wert. Doch wenn in mehrgeschossigen Gebäuden verschiedene Bewohner über-,unter- und nebeneinander leben, ändert sich das schnell. Denn niemand will auf Schritt und Tritt hören, was der Nachbar macht.

Luftschalldämmung gegen Innen- und Außengeräusche, Trittschalldämmung und Schallabsorption sind die Punkte, an denen die Architekten ansetzen müssen.

Hoch hinaus mit Holz

Das mehrgeschossige Bauen mit Holz ist in der Schweiz erst durch die Veränderung der Brandschutzvorschriften möglich geworden. Dadurch können Bauherren seit 2005 auch mit Holz architektonisch hoch hinaus.

Schallschutz im Holzbau“ ist ein aktuelles  nationales Forschungs- und Entwicklungsprojekt der schweizerischen Wald- und Holzwirtschaft. Die Gesamtleitung hat der Lignum im Verbund mit der EMPA und der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau.

Massgeblich unterstützt wird das Projekt vom Aktionsplan Holz des Bundesamtes für Umwelt (BAFU).

Lignum ist die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft. Sie vereinigt sämtliche wichtigen Verbände und Organisationen der Holzkette mit insgesamt rund 80000 Arbeitsplätzen von der Waldwirtschaft über Sägerei, Handel und Holzwerkstoffproduktion bis zu Zimmerei, Schreinerei und Möbelproduktion. Dazu treten Institutionen aus Forschung und Lehre, öffentliche Körperschaften und Unternehmen sowie eine große Zahl von Architekten und Ingenieuren.

Die Untersuchung der subjektiven Wahrnehmung von Schall in Bauwerken, die Weiterentwicklung von schall- und holzbautechnisch optimalen Bauteilen, die Verfolgung von Schall-Nebenwegübertragungen sowie die Bereitstellung von Anwendungshilfen für die Planung und Ausführung bilden die Schwerpunkte. In einer laufend erweiterten Bauteildatenbank werden für zeitgemäße Konstruktionen in Holz empirisch geprüfte schalltechnische Kennwerte abgebildet. Diese Datenbank ist unter www.lignumdata.ch zu finden.

 

Hoher Wohnwert

Schall kann mit Hilfe von Technik objektiv gemessen werden. Doch wie der Schall von den Bewohnern von Holzhäusern wahrgenommen wird, ist ein subjektives Empfinden, das nicht gemessen werden kann. Um auch hier verlässliche Daten gewinnen zu können, wurden in der Schweiz Bewohner von Mehrfamilienhäusern in Holzbauweise in umfangreichen Interviews befragt. In der Auswertung zeigte es sich, dass die Bewohner insgesamt mit der Bauakustik sehr zufrieden sind.

Die Bewohner fühlten sich laut Umfrage kaum durch Geräusche gestört, am ehesten fiel die Trittschallübertragung aus Nachbarwohnungen negativ auf. Dieses dumpfe Geräusch, oft als Dröhnen empfunden, wird im darüber liegenden Stockwerk durch Schritte verursacht. Die in Gebäuden üblichen Trittschallgeräusche sind sehr tieffrequent. Dieses Wissen muss in die Konzeption von Neubauten eingebunden werden.

Auf die Holzbauteile kommt es an

Mehrschalige Konstruktionen können im Holzbau gegenüber einschaligen massiven Bauteilen gleich hohe Schalldämmwerte bei deutlich geringerer Masse erreichen. Wichtig dabei ist die Kopplung der Schalen.

Eine mehrschalige Wand weist eine besonders hohe Schalldämmung auf, wenn die Kopplung der Wandschalen gering ist. Unter dem Ziel geringer Kopplungseffekte ist insbesondere eine genügend große flächenbezogene Masse der Schalen zu beachten, aber auch ein möglichst großer Schalenabstand, die Verhinderung von Hohlraumresonanzen sowie eine möglichst elastische Verbindung der Schalen mit der Konstruktion.

Und so funktioniert’s

Um bei Decken einen guten Schallschutz zu erreichen, bietet es sich an, die Rohdeckenkonstruktion zu beschweren. Werden zusätzliche Massen hinzugefügt, werden deutlich bessere Werte in den tiefen Frequenzbändern erzielt.

Natürlich spielt auch der Fußbodenaufbau eine Rolle, wenn es darum geht, Schall von den Bewohnern fernzuhalten. Wenn der Estrich über genügend Masse verfügt und die Schalldämmung eine geringe Steifigkeit aufweist, können optimale Ergebnisse erzielt werden.

Zusätzlich kann eine abgehängte Unterdecke eine Verbesserung mit sich bringen. Sie muss eine möglichst große flächenbezogene Masse und eine geringe Biegesteifigkeit haben. Außerdem muss der Schalenabstand zwischen der Rohdecke und der Unterdecke möglichst groß sein. Ein weiterer, wichtiger Faktor: Die Unterdecke muss von der Rohdecke entkoppelt sein.

Schall sucht sich Nebenwege

Schallnebenwege spielen im Holzbau keine große Rolle. Gute Resultate sind mit tieftonoptimierten Deckenkonstruktionen zu erreichen. Nebenwegübertragungen können bei Holzständer-Wandkonstruktionen mit einfachen Bau-Maßnahmen soweit verringert werden, dass sie deutlich niedriger sind als die direkte Schallübertragung über die Geschossdecke. Lignum gibt konkrete Tipps, wie Schalldämmung in Gebäuden aus Holzbauweise gut funktioniert.

Tieftonoptimierte Deckensysteme mit Praxisbewährung

Mit folgenden konstruktiven Massnahmen können Luft- und Trittschallgeräusche im Holzbau erwiesenermassen wirkungsvoll gedämmt werden:

Fußbodenaufbau

– schwerer Estrich, zum Beispiel 80 mm Zementestrich

– weiche Trittschalldämmung, zum Beispiel Mineralfaser-Trittschalldämmung mit dynamischer Steifigkeit unter 6 MN/m3

Deckensystem

– Massivholzdecke mit 16 cm Massivholz und 9 cm Splittbeschwerung

– Hohlkastendecke mit 16 cm Splittfüllung im Hohlkasten oder mit Tilger

– Holz-Beton-Verbunddecke mit 12 cm Massivholz und 12 cm Beton

– Rippendecke, beschwert mit 3 cm Splitt und entkoppelter biegeweicher Unterdecke mit genügend schweren Bekleidungen (2 x 15 mm Gipsfaser- oder Hartgipsplatten) und großem Schalenabstand von 30 cm, inklusive Hohlraumbedämpfung.

 

 

 

Infos zum Schallschutz im Holzbau
Lignum bietet unter  Telefon +4144 267 47 83 von Montag bis Freitag jeweils morgens von 8 bis 12 Uhr kostenlos Auskunft zu allen Fragen rund um Holz. Die Website www.lignum.ch gibt vielfältige Grundinformationen. Zeitgemässe Konstruktionen in Holz einschließlich empirisch geprüfter schalltechnischer Kennwerte finden sich im Bauteilkatalog Schallschutz der Lignum unter www.lignumdata.ch

 

 

 

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