Gegen Abwanderung und Leerstand – alte Häuser aufpeppen

0

Es ist ein Problem, mit dem gerade ländliche Regionen vermehrt zu kämpfen haben: Alte Häuser stehen leer und künden von einer fortschreitenden Abwanderung der Bevölkerung aus der betroffenen Region. Dabei gäbe es viele Möglichkeiten, um Altbauten zu neuem Glanz und der Dorfgemeinde zu neuem Zulauf zu verhelfen.

Dass alt nicht gleich wertlos bedeutet, haben inzwischen viele Immobilienbesitzer erkannt. Ganz im Gegenteil, lässt sich aus so manchem Altbau ein äusserst modernes Wohn- oder Wirtschaftskonzept entwickeln. Das häufig sogar mit staatlicher Unterstützung durch Subventionen. Gefördert wird hier vieles, was dem Allgemeingut dient, so zum Beispiel energieeffiziente Renovierungsarbeiten, der Erhalt historischer Bauten oder die Förderung der ländlichen Infrastruktur durch kulturelle Angebote. Für die Altbausanierung kann das ein wahrer Quell der kreativen Projektplanung sein. Hier ein paar Anreize zur Umsetzung.

Der Altbau als Kulturdenkmal

Die Schweiz ist berühmt für ihre traditionellen Baudenkmäler. Vom Luzerner Speicher über die Blockbohlenbauweise bis hin zu speziellen Hofbauten wie dem Appenzeller Haus, Jura Haus oder Emmentaler Hof kennt die Schweizer Traditionsarchitektur unzählige Bauformen, die wegen ihrem historischen Wert unter Denkmalschutz stehen. Wer ein entsprechendes Anwesen besitzt und es vor dem Verfall schützen möchte, kann deshalb meist auf Hilfe durch den Staat hoffen.


Viele alte Häuser stehen wegen ihrer historischen Bauweise unter Denkmalschutz. (Bild: Borisb17 – shutterstock.com)


Besonderes Interesse an derartigen Bauunternehmen zeigen heutzutage zum Beispiel Selbstversorger und Anhänger der natürlichen Lebensweise. Darunter befinden sich nicht nur Kulturexperten und Bauern, sondern auch viele junge Familien und Hobbygärtner, die gerne wieder mehr im Einklang mit der Natur leben möchten. Sie halten oftmals sehr gezielt nach einem schönen Traditionsbau auf dem Land Ausschau, in dem sie ihre Naturverbundenheit ausleben können.

Wichtig für die Sanierung eines Altbaus im Sinne der Denkmalpflege ist, die ursprüngliche Struktur des Hauses so gut wie möglich zu erhalten. Dafür kann es mit Blick auf Subventionen auch ganz explizite Vorgaben von der Eidgenossenschaft geben. Marode Bausubstanz muss dementsprechend sorgfältig nach traditioneller Bauweise und mit Original-Baumaterialien wieder hergestellt werden. Um sich vorab einen guten Überblick zu verschaffen, sind deshalb geeignete Messgeräte zur Baubestandsanalyse wichtig. Sie können dem Bauherren vor der Sanierung ein ausführliches Bild über die notwendigen Baumassnahmen geben, wodurch sich weitere Arbeitsschritte gerade mit Blick auf Traditionsbauten besser planen lassen.

Alt aber effizient – Ein Energiesparhaus im Grünen

Wer Abwanderung verhindern will, muss jungen Leuten neue Anreize schaffen. Und was die Generation X dieser Tage wie nichts anderes umtreibt, ist der Umweltschutz. Energiesparendes Wohnen und der Verzicht auf umweltschädliche Baustoffe hat hier oberste Priorität. Da kann der Altbau durchaus glänzen. Was heute nämlich in Sachen natürliche Baumaterialien aus Gründen der Energieeffizienz wieder in Mode kommt, war früher beim Hausbau schlichtweg Standard. So fanden sich Naturdämmstoffe wie Jute, Hanf oder Schafwolle noch weit bis ins 20. Jahrhundert in fast jedem Haus, weil es einfach keine Alternativen gab. Die Dämmstoffe punkten nicht nur durch hervorragende Isolierung, sondern sind meistens auch preiswerter als künstliche Dämmmaterialien mit kritischem Gesundheitswert.

Ebenfalls positiv an Naturstoffen wie Holz oder Naturfaser ist, dass sie als umweltschonende Baumaterialien gelegentlich ebenfalls subventioniert werden können. Gleiches gilt für stromsparende Energiekonzepte für Passivhäuser. Von der Solaranlage auf dem Dach bis hin zum Thermofenster gibt es zahlreiche Möglichkeiten, im Altbau den Stromverbrauch zu senken und sich auf diese Weise für einen staatlichen Zuschuss zu qualifizieren. Das innovative Denken hat sich in dieser Hinsicht für viele ländliche Regionen ausgezahlt, die dank moderner Haustechnik junge Naturliebhaber als Mieter und Eigentümer gewinnen. Eine traumhafte Naturlandschaft am Standort sowie herrliche Möglichkeiten für Familienausflüge komplettieren dann das optimale Angebot für junge Landbewohner auf dem Immobilienmarkt.



Wirtschaft im alten Gemäuer

Ein besonderer Tipp ist die Renovierung von alten Häusern für Gastronomen. Inmitten idyllischer Natur lässt sich mit einem modernisierten Altbau nämlich manches Erfolgsrezept für den beruflichen Durchbruch brauen. Allen voran sind es Besitzer von Ferienhäusern, die dank Altbausanierung jährlich eine Fülle von Urlaubern in ländliche Gebiete locken. Der Tourismus kann eine vom Aussterben bedrohte Dorfgemeinschaft kräftig ankurbeln, wenn sich die Bevölkerung rege am Urlaubsangebot beteiligt. Da können beispielsweise auch Altbau-Gaststätten, Landmuseen und Ferienhöfe aus einem ehemals verlassenen Gebäude neu entstehen.

Es kommt beim Erhalt der Dorfgemeinschaft durch liebevolle Pflege alter Gebäude also auch auf Gastfreundschaft und Willkommenskultur an. Diesbezüglich sei erwähnt, dass es häufig gerade Nicht-Schweizer sind, die sich vom Charme alter Schweizer Bauweise besonders angezogen fühlen. Mit der Modernisierung von Altbauten verändert sich demnach ggf. nicht nur das Dorfbild, sondern auch die Dorfgemeinde. Die Wandlungsfähigkeit, die alten Häusern den Leerstand erspart, ist folglich auch auf sozialer Ebene gefragt.

 

Titelbild: lapas77 – shutterstock.com

Antworten