Umbau und Sanierung, statt Leerstand und Verfall: innovative Umbauten in der Schweiz

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Immer mehr alte Scheunen werden saniert und zu Wohnhäusern umgebaut. Denn mit dem Rückgang der Landwirtschaft bleiben in ländlichen Gegenden zahlreiche leerstehende Stallgebäude oder Scheunen zurück. Inmitten von Feldern, Wiesen und kleinen Dörfer erinnern sie mit rustikalem Charme an die Vergangenheit. Die Umnutzung dieser alten, oft denkmalgeschützten Gebäude zu Wohnzwecken ermöglicht Architekten eine spielerische Auseinandersetzung von unterschiedlichen Innen-, Zwischen- und Außenräumen. Wir stellen ihnen 5 innovative Projekte vor. 

Eine Hommage an das Handwerk – Stallumnutzung, Soglio 2009

Ein ungenutzter Stall am Rande des Dorfkerns von Soglio im Kanton Graubünden war Ausgangspunkt für dieses Einfamilienhaus der Architekten Ruinelli Associati. Die 10 x 10 Meter großen Scheunen und Ställe mit den Dächern und Eckpfeilern aus Naturstein und den Füllkonstruktionen aus Rundhölzern sind typisch für diese Region. Aber nicht die Landwirtschaft, sondern der Tourismus prägt heutzutage diese Region. So zählt das malerische 300 Seelendorf inzwischen fast 20.000 Schlafplätze für Besucher. Der umgebaute Stall von Armando Ruinelli ist als Ferienhaus konzipiert. Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich ein kleines Zimmer, das Badezimmer und die Waschküche. Im ersten Obergeschoss ist der Wohnbereich mit offener Küche. Der zweite Stock beherbergt zwei große Schlafzimmer und eine Loggia. Stampfbeton, unbehandeltes Eichenmassivholz und geschweißter Stahl sind die maßgebenden Materialien. Der Beton wird sowohl an der Fassade, als auch im Inneren des Hauses eingesetzt. Er übernimmt die statische Rolle des alten, traditionellen Mauerwerks und ist so nicht nur ein ästhetisches Element, sondern die zeitgemäße Fortsetzung der alten Mauern. Optisch verschmilzt er mit dem Stein. Bewegliche Holzlamellen schirmen die großen Fenster ab, strukturieren die Fassade und zeichnen im Innern des Gebäudes ein Bild aus Licht und Schatten. Auffallend sind äußerste Präzision und großes handwerkliches Geschick bei der Ausführung des Projektes.
Die Architekten werden für den Umbau des Stalls 2012 mit dem „best-architects“-Award ausgezeichnet.

Das verborgene Haus – Umbau und Einbau Scheune, Homburg 2007

Der Architekt Andreas Zeche baut in genialer Art und Weise eine ehemalige Scheune im Schweizerischen Homburg in ein Wohnobjekt samt Veranda um. Als Fundament dient ihm der ehemalige Stall, als Tragwerk der frühere Heuboden und mittendrin steht ein Kubus als Haus im Haus. Über große Tore gelangt man in den zwölf Meter hohen Tenn – dort wo früher die Heuwagen einfuhren. Die mächtigen Futtertröge auf der rechten Seite erinnern noch an die frühere Nutzung. Das eigentliche Haus – ein schwarzer Kubus –
sitzt direkt darüber auf den Mauern der ehemaligen Ställe. Verborgen im Inneren der ehemaligen Scheune ist das Wohnhaus mit seinen etwa 90 Quadratmetern Fläche, wie ein Möbelstück mit vielen kleinen Details. Zwischen Wohnkubus und Hülle öffnen sich großzügig überdachte Außenräume, die als Veranda dienen. Vom Dachstuhl bis zur Inneneinrichtung ist das Holz der Weißtanne dominierendes Material – roh, gebürstet, geschliffen oder geseift.

Hinter dicken Mauern aus Stein – Projekt: Florins 114, Tarasp 2015

Das Bauernhaus im Schweizerischen Kanton Graubünden wurde von den Berliner Architekten Baumhauer  saniert und ausgebaut. Zurückhaltend und unauffällig – so erscheint das so genannte „Haus Florins“, welches als Zweitwohnsitz einer Familie dient. Ganz typisch für die historischen Bauerhäuser dieser Gegend, setzt sich der mit der Zeit gewachsene Bestand aus Balken von 1620, einem Dachstuhl aus dem 18. Jahrhundert und viel jüngeren Holzbalken zusammen. Den vorderen Teil, damals Wohnbereich des Hauses, wurde von den alten Einbauten komplett befreit und behutsam saniert. In die hinteren Räume aus Scheune und Stallungen, baute das Team von Phillip Baumhauer einen dreistöckigen Holzkörper als Ergänzung. Trotz Generalsanierung gelang es dem Architekten, die Atmosphäre des traditionellen Bauernhauses mit dicken Steinmauern zu erhalten. Die inneren Räume sind geprägt von Wänden aus weißem Kalkputz, Rundbögen über den Fenstern und historischen Holzverkleidungen. Ein Umbau der gut zur Typologie des Engadinerhauses passt.

Eine Mischung aus Alt und Neu – Umbau EFH Jeiziner, Raron 2005

In Raron im Kanton Wallis haben die Architekten Vomsattel Wagner eine Scheune mit angrenzendem Stall in ein Einfamilienhaus umgebaut. Sechzig Zentimeter dicke Mauern aus Bruchstein tragen das über 200 Jahre alte Gebäude. Öffnungen gab es ursprünglich nur in Form von Luftschlitzen für die Tiere und ein paar Bretterverschlägen. Die traditionelle Holzverkleidung wurde von den Architekten aufgegriffen. Zwei Erweiterungen setzen sich haptisch von den grob verputzten Außenmauern ab. Ihr Material: Lärchenholz. Und auch im Inneren stehen Dreischichtplatten aus Tannen- und Fichtenholz mit den Wänden aus Bruchsteinmauerwerk und den alten Dachbalken in starkem Kontrast. Die Böden sind rost-rot eingefärbt. Schlafzimmer und Bäder sind Holzeinbauten. Durch einen großzügigen Eingangsbereich im Erdgeschoss gelangt man in das Haus. Von dort führt eine s-förmige neue Treppe entlang der alten Mauer nach oben. Überall ergibt sich ein spannender Gegensatz aus Alt und Neu.
Umbau Jeiziner-Steiner, Raron

Architekten:  VOMSATTEL WAGNER ARCHITEKTEN ETH BSA SIA
Internetseite:   www.vwarch.ch
Foto: © by Thomas Andenmatten

Ferien in der Scheune – haus boisset, le biolley, umbau, Sion 2012

Die kleine Scheune im Schweizerischen Sion dient seit ihrem Umbau als Ferienhaus. Es ist ein ungewöhnliches Projekt. 48 Quadratmeter für 4 Personen auf drei Etagen verteilt – und jedes Stockwerk besteht gerade mal aus 16 Quadratmetern. Hier sollen 4 Gäste schlafen, essen und wohnen? Dank eines ausgeklügelten Ausbau des Architekturbüros Savioz Fabrizzi ist das möglich. Bei der Fassade versuchten die Architekten den Charakter der alten Scheune so weit wie möglich zu erhalten, damit sie auch nach dem Umbau in die Reihe der am Hang stehenden Gebäudegruppe passt. Die Innenräume erfanden sie komplett neu. Sie wurden mit Lärchenholz verkleidet und auch die Einbauten, die viel Stauraum bieten, gestaltete man aus dem gleichen Holz.
Savioz Fabrizzi wurden für den Umbau 2012 mit dem „best architects“-Award ausgezeichnet.

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